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    Migration und Ablauf

    Shopify-Migration: Checkliste für vorher, währenddessen und danach

    Migration & Replatforming · Aktualisiert

    Kurz gesagt

    Eine Shopify-Migration zerfällt in drei Phasen. Vorher werden URLs, Daten, Integrationen und Rechtstexte inventarisiert und ein Redirect-Mapping erstellt. Währenddessen wird in fester Reihenfolge gebaut, auf einem passwortgeschützten Staging getestet und mit echten Bestellungen abgenommen. Danach werden Redirects, Sitemap, 404-Logs, Tracking und Bestände geprüft. Wer eine Phase überspringt, bezahlt das in der nächsten.

    Diese Checkliste beschreibt den Ablauf einer Migration auf Shopify unabhängig vom Altsystem — nicht die Feldzuordnung einzelner Quellsysteme und nicht die Auswahl des Shopsystems.

    Wie ist eine Shopify-Migration sinnvoll geschnitten?

    Eine Migration ist kein einzelner Termin, sondern drei aufeinander aufbauende Phasen. Die Vorbereitung entscheidet, wie viel später improvisiert werden muss. Die Umsetzungsphase entscheidet, ob die Abnahme belastbar ist. Der Nachlauf entscheidet, ob Sichtbarkeit und Umsatz nach dem Livegang stabil bleiben.

    Der häufigste Grund für verschobene Termine ist keine Technik, sondern eine unklare Zuständigkeit. Rechtstexte, Zahlungsverträge, Steuersätze und Produktdaten haben Verantwortliche außerhalb der Agentur. Tauchen sie erst in der Bauphase auf, wartet das Projekt auf Freigaben, die niemand eingeplant hat.

    Die drei Phasen mit Verantwortung und Zeitpunkt
    PhaseKernaufgabeVerantwortungZeitpunkt
    VorherURLs, Traffic und Daten inventarisierenShop-Team und Agentur gemeinsamvor dem ersten Bauschritt
    VorherRedirect-Mapping aufbauenSEO-Verantwortlicheparallel zum Aufbau
    VorherRechtstexte, Zahlung, Versand klärenFachabteilung und Rechtsberatungvor der Abnahme
    WährenddessenTheme, Katalog, Checkout, IntegrationenAgentur, Freigabe im Shop-TeamHauptprojektphase
    WährenddessenAbnahme mit echten BestellungenFachabteilungen und Kundenservicevor dem Cutover-Termin
    WährenddessenGeneralprobe des Cutoverstechnische Projektleitungkurz vor dem Livegang
    DanachRedirects, Sitemap, 404-MonitoringSEO-Verantwortlicheerste Stunden live
    DanachTracking-Vergleich und BestandsabgleichAnalytics und Operationserste Woche live

    Was musst Du vor der Migration inventarisieren?

    Am Anfang steht eine vollständige Liste aller URLs, die heute existieren. Vollständig heißt: aus der Sitemap, aus dem Crawl, aus den Server-Logs und aus der Search Console zusammengeführt. Jede dieser Quellen kennt URLs, die die anderen nicht kennen — besonders alte Kampagnenseiten und ausgelaufene Produkte.

    Diese Liste wird anschließend gewichtet. Relevant ist, welche URLs organischen Traffic bekommen, welche als Ziel bezahlter Kampagnen dienen und welche externe Verlinkungen tragen. Eine URL ohne Traffic und ohne Backlinks braucht kein eigenes Ziel. Eine mit beidem braucht eine bewusste Entscheidung, kein Automatikziel.

    Parallel dazu läuft die Bestandsaufnahme der Daten. Produkte, Varianten, Kategorien, Kunden, Bestellhistorie, Gutscheine, Abonnements, Bewertungen und redaktionelle Inhalte gehören alle in eine Liste mit Mengenangabe und Quelle. Was hier fehlt, fällt erst beim Testkauf auf, und dann ist der Termin nah.

    Was vor dem ersten Bauschritt vorliegen muss

    • URL-Liste aus Sitemap, Crawl, Logfiles und Search Console
    • Traffic- und Backlink-Daten je URL, mindestens zwölf Monate
    • Export aller Produkt-, Kategorie- und Kundendaten
    • Bestellhistorie mit Klärung, was übernommen wird
    • Liste aller Gutscheine, Rabattlogiken und Abonnements
    • Inventar der angebundenen Systeme und ihrer Schnittstellen

    Wie erkennst Du Datenqualität und offene Integrationen?

    Ein Datenexport sagt noch nichts über Datenqualität. Prüfe stichprobenartig auf leere Pflichtfelder, doppelte Artikelnummern, Produkte ohne Bild, Kategorien ohne Produkte und Varianten, die im Altsystem als eigenständige Artikel gepflegt wurden. Diese Fälle bestimmen, wie viel Handarbeit im Katalogaufbau steckt.

    Ein Sonderfall sind Sortimente mit vielen Merkmalen. Shopify kennt drei Optionsdimensionen pro Produkt. Alles darüber muss vor dem Import entschieden werden: Was wird Variante, was wird Metafeld, was wird ein eigenes Produkt. Diese Entscheidung nachträglich zu ändern, ist teurer als sie vorher zu treffen.

    Die Integrationen brauchen dieselbe Sorgfalt. Für jedes angebundene System gehört notiert, welches Objekt in welche Richtung läuft und welches System im Konfliktfall gewinnt. ERP, Versanddienstleister, Buchhaltung, Newsletter, Retourenportal und Bewertungssystem sind die Kandidaten, die am häufigsten übersehen werden.

    Prüfpunkte an den Daten

    • Doppelte oder fehlende Artikelnummern
    • Produkte ohne Bild, Beschreibung oder Preis
    • Varianten mit mehr als drei Merkmalsdimensionen
    • Kategorien, die im neuen Shop keine Entsprechung haben
    • Kundendatensätze ohne gültige Einwilligung für Werbung
    • Bestellstatus, die im neuen System nicht existieren

    Warum entscheidet das Redirect-Mapping über die Sichtbarkeit?

    Beim Wechsel des Shopsystems ändern sich fast immer die URL-Muster. Ohne Weiterleitung verliert jede alte Adresse ihre Historie: Rankings, Backlinks und Lesezeichen laufen ins Leere. Das Redirect-Mapping ist deshalb kein Nachlaufthema, sondern eine Tabelle, die parallel zum Aufbau entsteht und mitwächst.

    Jede alte URL bekommt genau ein Ziel, und dieses Ziel liefert denselben Inhalt oder den nächstähnlichen. Eine Sammelweiterleitung auf die Startseite ist keine Lösung, sondern ein Signal an Suchmaschinen, dass der Inhalt weg ist. Für ausgelaufene Produkte ist die Kategorie das ehrlichere Ziel.

    Weiterleitungsketten sind der zweite Fehler. Wenn alte Adressen schon vor dem Umzug auf andere alte Adressen zeigten, entstehen nach der Migration Ketten über mehrere Sprünge. Löse sie im Mapping auf, sodass jede Ausgangs-URL direkt beim Endziel landet, und nicht über Zwischenstationen.

    Regeln für das Mapping

    • Ein Ziel je alter URL, dauerhaft weitergeleitet
    • Inhaltlich nächstes Ziel statt Startseite
    • Ketten auflösen, direkt auf das Endziel zeigen
    • Parameter-URLs und Sprachvarianten separat behandeln
    • Bilder- und PDF-URLs nicht vergessen
    • Mapping als Datei versionieren, nicht im Adminfeld pflegen

    Welche rechtlichen und operativen Punkte gehören vor den Start?

    Tracking und Consent werden häufig zu spät angefasst. Lege vorher fest, welche Ereignisse gemessen werden, über welchen Weg sie eingesammelt werden und welche davon eine Einwilligung brauchen. Ein Consent-Banner, das erst zwei Tage vor dem Livegang eingebaut wird, verändert die Messwerte genau dann, wenn Du sie vergleichen willst.

    Rechtstexte werden nicht kopiert, sondern neu geprüft. Impressum, Datenschutzerklärung, Widerrufsbelehrung, AGB und Versandinformationen hängen an konkreten Prozessen, und die ändern sich mit dem System. Wer die Zahlungsarten oder den Versanddienstleister wechselt, ändert damit auch den Inhalt seiner Pflichtangaben.

    Operativ gehören Zahlungs- und Versandarten früh geklärt, weil sie Vertragslaufzeiten und Freischaltungen mit sich bringen. Dazu kommt eine Freeze-Regel: Ab einem festgelegten Datum werden im Altsystem keine neuen Produkte, Kategorien und Inhalte mehr angelegt, sonst läuft der Datenstand während der Migration auseinander.

    Vor dem Bauabschluss geklärt

    • Messkonzept mit Ereignissen und Einwilligungspflicht
    • Consent-Lösung ausgewählt und im Staging aktiv
    • Rechtstexte an den neuen Prozessen geprüft
    • Zahlungsarten vertraglich freigeschaltet und getestet
    • Versandarten, Zonen und Steuersätze hinterlegt
    • Freeze-Datum für Inhalte im Altsystem kommuniziert

    In welcher Reihenfolge baust Du den neuen Shop auf?

    Die Reihenfolge im Aufbau ist keine Geschmacksfrage. Zuerst entsteht das Datenmodell, danach der Katalog, danach die Vorlagen und erst zum Schluss die Feinheiten an Inhalten und Kampagnenseiten. Wer mit dem Design beginnt, baut Vorlagen für Produkte, deren Struktur noch gar nicht feststeht.

    Testdaten sind sinnvoll, um früh gegen etwas zu bauen — aber die Abnahme braucht echte Daten. Ein Katalog aus drei Beispielprodukten verschweigt genau die Fälle, die später Arbeit machen: sehr lange Titel, Produkte ohne Bild, ausverkaufte Varianten, Bundles und Artikel mit abweichender Steuerlogik.

    Der Aufbau gehört auf eine Umgebung, die nicht indexiert wird. Shopify-Shops sind vor der Veröffentlichung passwortgeschützt, und genau dieser Schutz bleibt bis zum Cutover aktiv. Wird er früh entfernt, konkurriert der halbfertige neue Shop mit dem alten um dieselben Inhalte.

    Reihenfolge im Aufbau

    1. Datenmodell festlegen: Produkte, Varianten, Metafelder
    2. Katalog importieren und Kategorien aufbauen
    3. Theme und Vorlagen gegen echte Produkte bauen
    4. Checkout, Zahlung, Versand und Steuern konfigurieren
    5. Integrationen anschließen und im Testbetrieb laufen lassen
    6. Redaktionelle Inhalte, Kampagnenseiten und Navigation

    Wie sieht eine belastbare Abnahme aus?

    Eine Abnahme über Klickpfade allein reicht nicht. Belastbar wird sie erst, wenn echte Bestellungen durchlaufen — mit echter Zahlung, echter Rechnung, echtem Versandlabel und einer echten Retoure. Erst dieser Durchlauf zeigt, ob Bestellung, ERP, Buchhaltung und Versanddienstleister dieselbe Bestellnummer meinen.

    Beteilige dabei die Menschen, die den Shop danach betreiben. Kundenservice, Lager und Buchhaltung erkennen Fehler, die im Projektteam niemand sieht, weil sie den Alltagsfall kennen. Eine Abnahme, die nur aus Entwicklern und Projektleitung besteht, findet vor allem die Fehler, die schon bekannt waren.

    Vor dem Termin steht die Generalprobe des Cutovers. Der Ablauf wird einmal vollständig geprobt: Freeze, letzter Datenabgleich, DNS-Umstellung, Passwortschutz entfernen, Redirects aktivieren, Prüfroutine. Dabei wird auch festgehalten, wer welchen Schritt macht und unter welcher Bedingung zurückgerollt wird.

    Was in der Abnahme durchlaufen sein muss

    • Bestellung mit jeder freigeschalteten Zahlungsart
    • Bestellung mit Gutschein und mit Rabattlogik
    • Versandlabel, Versandbestätigung und Sendungsverfolgung
    • Retoure, Storno und Rückerstattung
    • Kundenkonto anlegen, Passwort zurücksetzen, Bestellung ansehen
    • Alle transaktionalen E-Mails mit korrektem Absender

    Was gehört in die ersten Stunden nach dem Livegang?

    Direkt nach der Umstellung wird das Redirect-Mapping gegen die Realität geprüft, nicht gegen die Tabelle. Nimm die Liste der wichtigsten alten URLs und rufe sie tatsächlich auf. Geprüft wird der Statuscode, das Ziel und ob unterwegs ein Zwischensprung entstanden ist.

    Danach folgen die Suchmaschinen-Themen: neue Sitemap einreichen, robots-Datei prüfen, Canonicals stichprobenartig ansehen und in der Search Console die neue Property vorbereiten, falls sich die Domain ändert. Ein 404-Monitoring gehört ab derselben Stunde aktiv, weil die ersten Lücken sofort sichtbar werden.

    Parallel läuft die operative Kontrolle. Bestände gegen das führende System abgleichen, die ersten echten Bestellungen im ERP nachverfolgen, Zahlungseingänge prüfen und das Tracking gegen den alten Stand vergleichen. Abweichungen im Tracking sind zuerst ein Messfehler, bis das Gegenteil belegt ist.

    Prüfroutine nach dem Cutover

    1. Wichtigste Redirects manuell aufrufen und Statuscode prüfen
    2. Neue Sitemap einreichen, robots-Datei kontrollieren
    3. Passwortschutz entfernt, Testumgebung weiter geschützt
    4. 404-Monitoring aktiv und mit Alarm hinterlegt
    5. Erste echte Bestellungen bis ins ERP verfolgen
    6. Bestände und Preise gegen das führende System abgleichen

    Was ist in Woche eins normal und was nicht?

    Nach einem Umzug bewegen sich Kennzahlen, und nicht jede Bewegung ist ein Problem. Suchmaschinen brauchen Zeit, um neue Adressen zu verarbeiten, weshalb Sichtbarkeit und indexierte Seitenzahl kurzfristig schwanken. Erwartbar ist eine Delle mit Erholung, nicht ein dauerhafter Abfall über Wochen.

    Kritisch wird es, wenn Fehler auftreten, die mit dem Kaufprozess selbst zu tun haben. Diese Fälle haben Vorrang vor jeder SEO-Frage, weil sie unmittelbar Umsatz kosten und weil sie sich meist an einer einzigen Konfiguration festmachen lassen — einer Zahlungsart, einem Steuersatz, einer Versandzone.

    Normal in Woche eins

    • Schwankende Zahl indexierter Seiten
    • Kurzfristige Bewegung in Rankings und Sichtbarkeit
    • Einzelne 404 auf sehr alten, unwichtigen URLs
    • Leicht abweichende Analytics-Zahlen durch neues Tracking
    • Mehr Rückfragen im Kundenservice zu Login und Konto

    Nicht normal, sofort prüfen

    • 404 auf umsatzstarken Produkt- oder Kategorieseiten
    • Bestellungen ohne Eingang im führenden System
    • Abgebrochene Zahlungen bei einer bestimmten Zahlungsart
    • Fehlende oder falsch adressierte transaktionale E-Mails
    • Bestände, die vom führenden System dauerhaft abweichen

    FAQ

    Häufige Fragen

    Wie lange vorher sollte die Vorbereitung starten?

    Der Startpunkt ergibt sich nicht aus dem Kalender, sondern aus den Abhängigkeiten mit der längsten Laufzeit. Zahlungsverträge, Freischaltungen bei Dienstleistern und juristische Prüfungen liegen selten in Deiner Hand. Beginne mit genau diesen Punkten und ziehe den technischen Aufbau daran auf, statt umgekehrt einen Termin zu setzen und zu hoffen.

    Müssen alle alten URLs weitergeleitet werden?

    Nein, aber die Entscheidung muss für jede URL bewusst fallen. Adressen mit organischem Traffic, externen Verlinkungen oder Kampagnenrelevanz brauchen ein Ziel. Technische Ausgabeseiten, Filterkombinationen und alte Testseiten dürfen ersatzlos entfallen. Ein Ziel auf gut Glück ist schlechter als gar kein Ziel, weil ein unpassender Inhalt Nutzer und Suchmaschinen gleichermaßen irritiert.

    Sollen alte Bestellungen mit umziehen?

    Meistens nur eingeschränkt. Bestellungen hängen an Zahlungen, Belegen und Rückerstattungen, die im neuen System nicht rückwirkend gültig werden. Üblich ist, Kundenkonten und Adressen zu übernehmen und die Bestellhistorie im Altsystem oder im ERP nachschlagbar zu halten. Kläre vorher, wer diesen Zugriff im Kundenservice tatsächlich braucht und wie lange die alte Umgebung dafür erreichbar bleibt.

    Wie verhindere ich, dass das Staging indexiert wird?

    Ein Shopify-Shop ist vor der Veröffentlichung passwortgeschützt, und dieser Schutz bleibt bis zum Cutover bestehen. Verlasse Dich nicht allein auf eine robots-Datei, denn sie verhindert weder den Aufruf noch die Verlinkung. Prüfe zusätzlich, dass Vorschau-Links nicht öffentlich geteilt werden, etwa in Tickets, Präsentationen oder geteilten Dokumenten.

    Was bedeutet Freeze konkret?

    Freeze heißt, dass ab einem festen Datum im Altsystem keine neuen Produkte, Kategorien, Inhalte und Rabattaktionen mehr angelegt werden. Laufender Betrieb geht weiter, Strukturänderungen nicht. Ohne diese Regel weicht der finale Datenabgleich von dem ab, was getestet wurde, und die Abweichung fällt erst nach dem Livegang auf.

    Wann ist eine Migration abgeschlossen?

    Nicht am Tag des Livegangs. Abgeschlossen ist sie erst, wenn Redirects geprüft, 404-Logs abgearbeitet, Tracking gegen den alten Stand plausibilisiert und Bestände sowie Bestellungen im führenden System sauber angekommen sind. Plane für diesen Nachlauf bewusst Kapazität ein, sonst bleibt er zwischen Projektabschluss und Tagesgeschäft unbearbeitet liegen.

    Offizielle Dokumentation

    Primärquellen zu den technischen Aussagen in diesem Guide.

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    Noch ein Hinweis

    NICCOS begleitet solche Umzüge von der Bestandsaufnahme bis zum Nachlauf und übernimmt dabei die Punkte, die zwischen Technik, SEO und Betrieb liegen.

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